Wut ist eine gute Emotion, wenn wir lernen, sie richtig einzusetzen

Lerne deine Wut nicht abzulehnen und sie in dein Leben einzuladen

Heute sprechen wir über Wut, denn ich gehe davon aus, dass Wut eine gute Emotion ist, wenn wir lernen, richtig mit ihr umzugehen. Und wir sprechen heute auch darüber, wie wir das Geschenk hinter einer Wut finden können. Wenn du diesen Blogartikel magst, dann kannst du ihn nachher gern teilen. Du kannst mir aber auch eine E-Mail schreiben oder den Beitrag kommentieren. Erzähl mir doch mal: Wie gehst du mit Wut um? Was ist für dich Wut? Ist Wut für dich eher eine schlechte Emotion? Ich freue mich, wenn du dich darüber auch mit anderen austauschst. Und jetzt lass uns mit dem Thema starten, ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.

 

Ich sage, Wut ist keine schlechte Emotion. Und das sage ich aus der Prämisse, weil ich mich sehr viel mit dem Thema Wut auseinandergesetzt habe. Für mich war Wut immer eine Emotion, bei der ich gedacht habe, die darf man nicht spüren, die soll man nicht spüren. Ich dachte, Wut ist nicht gut. Aber ich gehe davon aus, dass Wut genauso eine Emotion ist wie Liebe, wie Glück, wie Fröhlichkeit und dass Wut einfach zu unserem Leben dazugehört. Wut ist, und das sage ich dir jetzt schon, ein Antreiber. Und da kommen wir heute in diesem Blogartikel immer mehr hin. Vielleicht macht das jetzt auch gerade schon etwas mit dir, dass ich sage: Wut ist eine gute Emotion.

Darum ist Wut eine gute Emotion

Ich weiß nicht, ob du eine Leserin oder ein Leser bist. Aber was uns Frauen betrifft, da ist es häufig so, dass wir oft beigebracht bekommen, immer nett und lieb und niedlich sein zu müssen, denn es schickt sich nicht, wütend zu sein. Deswegen ist es irgendwann so gekommen, dass wir nicht mehr wütend wurden, sondern dass wir eher traurig geworden sind. Häufig zeigen wir Frauen dann Anzeichen, dass wir eher traurig werden, obwohl wir wütend sind. Aber wir spüren diese Wut gar nicht mehr, weil wir sie immer unterdrückt haben. Und wenn wir traurig werden, dann haben wir keinen Antrieb. Wir werden eher depressiv, ziehen uns zurück und stehen nicht für uns ein. Deswegen, du ahnst es wahrscheinlich schon, ist Wut eigentlich total gut.

 

Sogar bei Männern ist es so, dass es sich auch nicht schickt, wirklich wütend zu werden. Was bei den Männern meistens passiert, ist, dass die dann so eine Ohnmacht, so eine Dumpfheit bekommen. Oder es wirklich in eine Aggression umschlägt und sie dann auch tatsächlich um sich schlagen, weil sie gar nicht wissen, wie sie mit der Wut umgehen sollen. Hinter der Trauer und hinter der Aggression steckt meistens die Wut und die müssen wir ausleben. Aber natürlich nicht ausleben bei Menschen oder anderen Lebewesen oder Dingen, sondern wir müssen die Wut kanalisieren. Wut ist also dann eine gute Emotion, wenn wir wissen, sie weise zu verwenden. Wut ist, wie gesagt, ein Antreiber. Und an das Thema möchte ich jetzt mehr mit dir rangehen.

Was will uns die Wut eigentlich sagen?

Warum ist Wut ein Antreiber? Wenn wir den Kontakt zur Wut wiedergefunden haben und nicht in der Aggression und in der Trauer sind, spüren wir häufig die Wut in unserem Körper. Wir spüren sie in unserem Hals und in unserem Brustbereich, als wenn es uns da so ein bisschen zuschnürt, da ist die Wut energetisch verortet. Und wenn wir dann wirklich wissen: Da ist meine Wut, die sitzt im Hals, da schnürt es mir jetzt gerade etwas zu, da werde ich brodelnd oder traurig, dann gilt es, sich noch mal von außen zu beobachten und zu fragen: Was will mir die Wut eigentlich sagen? Was passt mir denn gerade nicht? Was passiert mit mir oder mit der Umwelt oder mit anderen Menschen oder mit Tieren, was mich so wütend macht?

 

Da gibt es ganz viele Dinge, die mich zum Beispiel total wütend machen: Dass wir der Umwelt nicht guttun, dass Neonazis draußen rumlaufen, die scheinbar immer mehr werden, dass Vorgesetzte manchmal schlecht mit uns umgehen, dass manche Menschen andere Menschen schlecht behandeln oder Menschen Tiere misshandeln. Aber es sind oft auch ganz kleine Situationen, in denen man einfach wütend ist, weil man nicht verstanden wird. Dann gilt es, sich diese Wut einmal genau anzugucken und zu merken: Okay, da ist die Wut und ich gebe ihr erst mal einen Kanal. Wie wir die Wut kanalisieren können, darüber schreibe ich später noch.

Wut ist ein Antreiber

Zuerst geht es darum, zu schauen: Was ist denn das Geschenk hinter der Wut? Was ist der Antreiber dafür, dass ich für mich selbst einstehe, dass ich etwas für die Umwelt tue, dass ich sage: Hey, ihr Neonazis, ich finde euch nicht toll, aber ich kämpfe nicht gegen euch, sondern ich gehe stattdessen lieber in Gruppen, die etwas für Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund tun. Positiv sind also Gruppen, die für etwas sind und die nicht gegen etwas sind. Oder wenn wir merken: Okay, ich bin wütend auf meinen Chef, dann zu schauen: Warum bin ich eigentlich wütend?

 

Vielleicht bin ich gar nicht wütend auf meinen Chef, sondern es gab schon Situationen davor, die ähnlich waren. Vielleicht mit meinen Eltern, dass die mich nie erhört haben, und mein Chef hört mich jetzt auch nicht. Vielleicht richtet sich die Wut dann gar nicht gegen meinen Chef, sondern gegen meine Eltern. Da dann einfach mal zu schauen: Ja, ich war mal wütend auf meine Eltern, ich bin auch gerade wütend auf meinen Chef, aber wie kann ich jetzt in dieser Situation einen Antrieb finden, um wieder normal mit ihm zu sprechen? Wir müssen lernen, mit der Wut umzugehen, um dann in eine Situation reinzugehen, in der wir wieder klar denken können.

 

Denn es ist nicht zu vergessen: Wut ist zerstörerisch. Wut ist wie Wasser. Eigentlich denkt man, Wasser ist ganz sacht, aber Wasser kann auch alles auseinanderreißen. Genauso ist Wut. Wenn wir nicht lernen, mit dieser Wut gut umzugehen, dann verletzen wir Menschen. Das passiert meistens als Erstes. Entweder wir ziehen uns zurück oder wir werden aggressiv. Beides ist nicht produktiv. Bei beidem ist nicht der Antreiber oder das Geschenk dahinter zu sehen. Wenn wir uns zurückziehen, dann weiß keiner, was wir sagen wollen oder was wir tun wollen. Und wenn wir gleich lospreschen, losschreien oder losschlagen, dann werden wir auch nicht erhört. Dann hat Wut halt nicht das, was Wut eigentlich sein kann.

Wut braucht einen Kanal

Ich habe dazu schon eine inspirierende Podcast-Folge mit dem Titel „Deine Zunge bricht Herzen“ aufgenommen. Denn wenn wir sprechen, können wir Menschen sehr verletzen, meistens sogar noch stärker und nachhaltiger, als wenn wir schlagen würden. Deswegen braucht Wut einen Kanal. Ich habe dir ja schon gesagt, dass die Wut meistens so in Richtung der Kehle oder ein bisschen oberhalb des Herzens sitzt, ungefähr mittig auf der Brust, die es uns zuschnürt. Ich spüre das jetzt auch gerade, wenn ich schreibe. Es kribbelt und ist ein ganz unangenehmes Gefühl. Wir wollen das Gefühl loswerden, deswegen preschen wir meistens los oder ziehen uns zurück, weil wir es nicht ertragen.

 

Daher ist es wichtig, gerade am Anfang, wenn du lernst, mit deiner Wut umzugehen, einen Kanal zu haben. Der beste Tipp ist: Geh erst mal raus aus der Situation und schrei vielleicht mal in ein Kissen oder in eine Bettdecke. Schrei alles raus. Wenn du dafür keinen Kanal hast, manchmal ist man auch in einer Umgebung, wo man vielleicht gerade nicht so laut schreien kann, auch nicht in ein Kissen, dann kannst du zum Beispiel die Luft anhalten, deine Hände zusammenballen, dein Gesicht zusammenballen, alles zusammenballen und denken: Ich bin wütend, ich nehme die Wut ein, ich bin die Wut! Und beim Ausatmen lässt du alles los. Das kannst du so zwei- bis dreimal machen. Du kannst deinen Körper anspannen, du kannst tanzen oder auch weinen. Wichtig ist, dass du alles mal aus dir rauslässt.

Suche dir etwas, um die Power rauszulassen

Wir haben auch oft so Altlasten in uns. Wut-Altlasten oder Trauer-Altlasten oder Aggressions-Altlasten, die oft in Situationen wieder hochkommen und dann die Wut noch mal verstärken. Deswegen ist das Kanalisieren so wichtig. Suche etwas, wo du deine Power richtig herauslassen kannst. Ob beim Sport oder auch beim Schreiben. Schreib alles auf, was dich wütend macht. Damit das alles, diese ganze Energie, die gerade in deinem Körper ist oder die ganze Zeit war, endlich einen Kanal bekommt. Dann kannst du, wenn du nicht mehr wütend bist, besser auf die Person zugehen und sagen: Hey, das hat mir nicht gutgetan, das würde ich gern anders machen. Du stehst mehr für dich ein, wenn du sagst: Das hat mich in dem Moment wütend gemacht und ich habe gesehen, was ich brauche.

 

Du kannst dann auch in Vereine eintreten, wo du merkst, die tun etwas für das Anliegen, das du hast. Du gehst nicht gegen das Problem, sondern du tust etwas für etwas. Du kannst zum Beispiel einem Verein beitreten, der etwas für die Umwelt macht und nicht gegen die Leute kämpft, die alles zerstören. Es geht darum, proaktiv zu sein und dabei zu merken: Meine Wut ist ein Antreiber. Wenn ich meine Wut nicht hätte, dann würde ich mich zurückziehen und wäre vielleicht depressiv und traurig, aber ich entscheide mich jetzt für meine Wut und dazu, sie liebevoll anzunehmen und zu sagen: Hey Wut, was möchtest du mir eigentlich sagen? Was tut mir gerade nicht gut? Und dann erkennen: Das und das tut mir nicht gut, aber auf eine gute Art und Weise und nicht, wenn die Wut gerade herumrumort.

Hast du gerade keinen Zugang zu deiner Wut?

Ich möchte auch noch ein bisschen was zu der Traurigkeit bei uns Frauen schreiben. Hast du vielleicht gerade keinen Zugang zu deiner Wut und denkst: Ey, Jenny, ich bin gar nicht wütend, wovon redest du eigentlich? Dann sage ich dir: Ich war früher auch nicht wütend. Ich war traurig und still und habe mich zurückgezogen. Ich habe damit angefangen, Schattenboxen zu machen. Das ist zum Beispiel auch ein Kanal. Ich habe mir dabei nichts Konkretes vorstellt, sondern einfach nur geboxt. Geboxt gegen etwas, wobei ich gar nicht genau wusste, worüber ich eigentlich so wütend war. Und dann kam da so etwas aus mir raus, bei dem ich gemerkt habe: Wow, das ist Wut. Ich wusste in dem Moment nicht, was das für eine Wut war, die hatte sich einfach angesammelt.

 

Ich war traurig und habe mich zurückgezogen. Ich habe die ganze Zeit gedacht, die Welt ist gegen mich, die Männer sind gegen mich, die Liebe ist gegen mich, der Arbeitgeber ist gegen mich, das Gesetz ist gegen mich. Ich habe mich zurückgezogen und wirklich mal alles rausgeprügelt, was ging. Das habe ich eine ganze Zeit lang gemacht. Jeden Morgen bin ich aufgestanden und habe erst mal Schattenboxen gemacht. Manchmal habe ich dabei auch geweint. Jetzt gehe ich nicht mehr in die Trauer. Jetzt spüre ich Wut wieder.

 

Ich merke das sofort, wenn meine Kehle sich zusammenschnürt. Dann weiß ich: Oh, da ist die Wut, was will sie mir sagen? Und wo könnte ich das Geschenk dahinter sehen? Die Wut ist jetzt da und was kann ich tun, damit ich nicht mehr so wütend bin? Was kann ich für die Welt tun, damit ich nicht mehr so wütend bin? Was kann ich für mich tun, damit ich nicht mehr so wütend bin? Was kann ich tun, damit es mir besser geht? Wenn ich dann das Geschenk dahinter verstanden habe, dann powere ich mich noch mal so richtig aus. Entweder durch Schattenboxen, Tanzen, Schreien, Joggen oder etwas anderes, das mir guttut und bei dem ich merke, da löst sich wieder etwas in meinem Hals.

Erlaube dir, wieder wütend zu sein

Wenn wir das alles in uns lassen, diese ganze Energie, dann wird Wut immer zerstörerisch sein. Und dann ist Wut eine schlechte Emotion. Dass Wut zu Zerstörung führt, sehen wir auch gerade in dieser Welt, wenn wir sagen: Mir wird etwas Schlechtes angetan, dann tue ich dir auch etwas Schlechtes an. Mit mir macht man das, also mache ich das mit dir. Und ich schreie und ich kreische, weil ich mich vielleicht nicht gesehen fühle. Ich muss Kriege führen, ich muss gegen etwas sein, ich muss etwas gegen etwas tun. Aber das ist alles nicht produktiv. Da ist Wut keine gute Emotion. Wut ist immer nur dann eine gute Emotion, wenn wir verstanden haben, dass Wut ein Geschenk dahinter hat. Wenn wir verstanden haben, dass Wut erst mal einen Kanal braucht und wir uns in Ruhe hinsetzen und überlegen müssen: Was können wir mit dieser Wut machen?

 

Ich habe sehr viele Frauen bei mir in der Praxis, die erst mal sehr zurückgezogen sind, die sehr traurig sind, die teilweise auch depressiv sind, mit denen arbeite ich ganz viel. Ich frage sie: Wo ist deine Wut? Wo sitzt sie, in welchem Körperteil? Was möchte die Wut dir sagen? Diese Herangehensweise würde ich dir auch empfehlen. Ich stelle dir nachher noch mal ein paar Fragen, mit denen du da so ein bisschen mehr rankommst, dir wirklich zu erlauben, auf eine gute Art und Weise wieder wütend zu sein. Die Wut einzuladen und zu sagen: Wut, du darfst da sein. Wut, ich habe gehört, du bist sogar etwas Gutes. Wut, wo bist du, wo sitzt du? Und weiter: Was kann es sein, was ich jetzt aus dieser Wut mache, dass ich einen Antreiber habe, für mich einzustehen, für die Umwelt einzustehen?

 

Du merkst schon, dass ich ein bisschen in Rage bin, weil das für mich wirklich ein ganz wichtiges Thema ist, dass wir lernen, mit Wut umzugehen und sie als Geschenk zu sehen. Wenn wir alle lernen, besser mit unserer Wut umzugehen, kann das hier ein ganz toller Planet werden. Es geht nicht darum, gar keine Wut mehr zu haben oder Wut komplett zu unterdrücken. Das würde bewirken, dass wir nicht vorankommen, dass wir nichts in die Tat umsetzen, dass wir nicht für uns einstehen. Es geht vielmehr darum, dass wir lernen, mit Wut gut umzugehen, mit Wut in Liebe zu sein und zu merken: Wut ist genauso eine tolle Emotion wie Liebe, Glück oder Freude. Und dann wirklich zu entscheiden: Ich tue auch aktiv etwas und ich ziehe mich nicht zurück oder presche nach vorne und schlage gleich.

Wie du mit der Wut arbeiten kannst

Was du für dich machen kannst, ist Folgendes: Suche dir einen Kanal, wie du die Wut rauslassen kannst. Wenn du gelernt hast, mit der Wut umzugehen, kannst du es auch so machen, dass du aus einer Situation nicht rausgehen musst, sondern spürst, dass die Wut da ist, und dann weiterdenkst: Was möchte mir die Wut sagen? Was brauche ich jetzt? Was möchte ich sagen? Um dann vielleicht in Würde zu sagen, was du brauchst, oder auch um das anzutreiben, was du brauchst. Dann gehst du aus der Situation heraus und merkst: Irgendwo ist noch ein bisschen Wut in meinem Körper, ich spüre das noch, irgendwie fühle ich mich noch nicht ganz gut.

 

Du kannst zum Beispiel Tools nutzen wie Tanzen, Schreien oder Schattenboxen, damit du dann merkst: Okay, ich habe das gesagt, was ich sagen wollte. Ich habe das in Liebe gesagt. Ich habe das verständlich gesagt. Und gleichzeitig ist da noch ein bisschen Wut, das ist völlig in Ordnung und ich lass die raus, aber nicht gegen eine Person oder gegen ein Tier oder gegen einen Gegenstand, sondern mit Hilfe eines Kanals. Wenn du das verstanden hast, dass du mit der Wut arbeiten kannst, dann wird es richtig schön. Oder wenn du merkst, dass noch ein bisschen Wut da ist, du aber keine Zeit hast, deinen Kanal zu nutzen, dann kannst du das auch zeitlich verschieben.

 

Manchmal habe ich auch nicht sofort Zeit, dann gehe ich abends in meinen Raum und noch mal kurz in die Situation rein, schreie noch mal ins Kissen, mache noch mal Schattenboxen. Ich spüre es auf jeden Fall, wo die Wut sitzt. Das würde ich dir auch empfehlen, immer wieder nachzuspüren, wenn du traurig wirst, ob hinter der Traurigkeit vielleicht eine Wut steckt. Am Anfang wird dich das vielleicht erschrecken. Vielleicht ist es auch so wie ein Vulkan, der ausbricht. Vielleicht weißt du gar nicht, wie dir geschieht. Ich möchte dich einladen, da mal in dich reinzuspüren, denn Wut ist eine gute Sache, wenn wir damit richtig umgehen. Dann kannst du dir auch noch mal folgende Frage stellen: Spüre ich Wut in meinem Leben?

Lokalisiere deine Wut in deinem Körper

Ich habe dir ja schon gesagt, manche Frauen spüren überhaupt keine Wut, weil wir über Jahrzehnte hinweg gelernt haben, dass wir nicht wütend sein dürfen, sondern immer niedlich, toll und zuvorkommend sein sollen. Es schickt sich nicht, wütend zu sein. Frag dich auch mal: Gehe ich eher in die Trauer oder in den Rückzug oder werde ich eher aggressiv, wenn ich Wut spüre? Das kannst du mal für dich aufschreiben, um dir bewusst zu machen, wie du überhaupt agierst. Du kannst dich auch fragen: Was tue ich, wenn ich wütend werde? Oder wenn du noch keine Wut spürst: Was tue ich, wenn ich traurig werde oder wenn ich aggressiv werde? Das kannst du alles mal aufschreiben und dir bewusst machen.

 

Dann kannst du dich fragen: Wie könnte ich das nächste Mal handeln, wenn ich Wut spüre oder Trauer spüre oder Aggressionen spüre? Du kannst dich auch hier noch mal fragen: Was will mir die Wut sagen? Was will mir die Trauer sagen? Was will mir die Aggression sagen? Die Trauer und die Aggression werden wahrscheinlich erst mal sagen: Eigentlich bin ich wütend. Dann frag dich: Was will mir die Wut sagen? Vielleicht will sie dir sagen: Das passt mir nicht, ich muss für mich einstehen, ich muss für den Planeten einstehen, ich muss für die Partei einstehen, ich muss für die Randgruppe einstehen – aber in Liebe, nicht in Aggression. Du kannst du dich fragen: Wo spüre ich die Wut in meinem Körper? Lokalisiere die mal, dann kannst du ihr nämlich auch einen Kanal geben.

Wut ist auch ein Geschenk

Wenn du spürst, wo sie energetisch sitzt, kannst du dich auch noch fragen: Was könnte das Geschenk hinter meiner Wut sein? Das Geschenk kann sein, dass du endlich anfängst, nicht mehr das Mauerblümchen zu sein, dass du endlich aus deinem Bett aufstehst, dass du für dich einstehst, dass du etwas tust, was du früher nicht getan hast, dass du mit Menschen sprichst, mit denen du früher nicht gesprochen hast, dass du ein erfülltes Leben führst. Alles, weil du der Wut auf einmal einen Kanal gibst, gleichzeitig aber immer gut kommunizierst und nie dabei verletzt. Gib deiner Wut also immer einen Kanal – entweder sofort, etwas später, am Tagesende oder auch erst am nächsten Tag. Gib dem Kanal alles, was noch in dir ist.

 

Vielleicht hast du Lust, heute schon Dinge wie Schattenboxen, ins Kissen schreien und so weiter auszuprobieren. Lass nicht zu, dass die Wut sich in dir staut. Das ist nicht gut, das macht uns krank. Vielleicht hast du auch Lust, gleich schon mal zu suchen, wo deine Wut sitzt oder welche Wut von früher vielleicht noch da ist. Vielleicht ist es so, dass du erst mal traurig wirst, dass du erst mal aggressiv wirst und dass dann die Wut hochkommt. Nimm die Wut liebevoll an und sage ihr: Schön, dass du da bist. Du bist jetzt mein Begleiter. Toll, dass ich nun auf dem Weg bin, dich immer besser kennenzulernen. Und dann wünsche ich dir für heute, dass du lernst, dass Wut ein Geschenk ist und dass du die Wut einladen darfst, nicht zerstörerisch, sondern einfach im Guten für dich da zu sein. Ich wünsche dir, dass du einen Kanal findest, um dich auszudrücken, und dass du ein erfülltes Leben führen darfst. 

 

Mein Wut grüßt dein Wut,

deine Jenny. Namaste!

 

P.S.: Möchtest du diese Folge einfach anhören? Hier geht es zur Herzzeit Podcast–Folge